// Rahmenbedingungen
Studiengang: Informatik Bachelor, TH Köln
Credits: 15 ECTS (450 Stunden, ca. 11 Vollzeit-Arbeitswochen)
Dokumentation: ca. 15–20 Seiten
Statusmeetings: Ca. 15 Min. wöchentlich per Zoom, geleitet von den Studierenden
Kontakt: Prof. Dr. Uwe van Heesch
// Anforderungen als Maßstab
Zu Projektbeginn dokumentieren die Studierenden die Anforderungen und besprechen diese mit dem Betreuer: funktionale Anforderungen, Qualitätsanforderungen (z. B. Performance, Sicherheit, Wartbarkeit, Usability – vgl. ISO/IEC/IEEE 42010) und technische Constraints.
Als Orientierung kann eine Software Requirements Specification (SRS, vgl. ISO/IEC/IEEE 29148) dienen; die Anforderungen können auch als Kapitel der Projektdokumentation festgehalten werden. Die gemeinsam abgestimmten Anforderungen bilden den verbindlichen Maßstab für die Bewertung der Ergebnisqualität.
// Bewertungsrubric
| Kriterium | Gew. | Exzellent (1,0–1,3) | Gut (1,7–2,3) | Befriedigend (2,7–3,3) | Ausreichend (3,7–4,0) | Nicht ausreichend (5,0) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Konzeption & Analyse | 10 % | Passende Methoden gewählt und sauber durchgeführt; Alternativen erarbeitet und dokumentiert; Entscheidungen fundiert begründet; frühzeitiges Erproben von Ideen | Methoden angemessen; Entscheidungen nachvollziehbar; Konzeption schlüssig | Methoden teilweise unpassend; Entscheidungen kaum begründet; Konzeption oberflächlich | Keine erkennbare Methodenwahl; Konzeption fehlt weitgehend | Keine Konzeption |
| Selbständigkeit & Eigeninitiative | 10 % | Herausragende Eigenleistung; eigene Ideen und Kontakte; wenig Hilfestellung benötigt; Motivation über die letzte Meile hinaus | Gute Eigenständigkeit; eigene Recherche und Problemlösung | Überwiegend angeleitet; wenig eigene Initiative | Stark angeleitet; kaum Eigeninitiative | Keine erkennbare Eigenleistung |
| Planung & Zielverfolgung | 10 % | Exzellente Planung mit realistischen Meilensteinen; flexibel bei Anpassungen; Scope konsequent eingehalten | Gute Planung; Ziele weitgehend verfolgt; Zeitplan im Wesentlichen eingehalten | Planung lückenhaft; Ziele teilweise aus den Augen verloren | Unstrukturiert; Ziele häufig verfehlt | Keine erkennbare Planung |
| Umfang & Komplexität | 15 % | Hoher Umfang (viele Komponenten, Features, Erhebungen); hohe Komplexität souverän bewältigt | Angemessener Umfang und Komplexität für das Niveau | Geringer Umfang oder geringe Komplexität | Triviale Aufgabe; minimaler Umfang | Keine nennenswerte Leistung |
| Qualität der Ergebnisse | 20 % | Ergebnisse übertreffen vereinbarte Ziele; robust, vollständig und gut getestet; gelungene Aufbereitung | Vereinbarte Ziele vollständig erreicht; funktional und solide | Ziele teilweise erreicht; Qualitätsmängel oder Lücken | Wesentliche Ziele verfehlt; erhebliche Mängel | Keine verwertbaren Ergebnisse |
| Kenntnisse & Fähigkeiten | 10 % | Umfangreiches Wissen aus dem Studium eingesetzt; fachübergreifende Aspekte; hohe Codequalität; präzise und gewissenhaft | Gute fachliche Kenntnisse; solide handwerkliche Umsetzung | Fachliche Lücken erkennbar; handwerkliche Schwächen | Deutliche fachliche Defizite | Unzureichende Kenntnisse |
| Dokumentationsstruktur & Nachvollziehbarkeit | 7,5 % | Exzellent strukturiert; roter Faden durchgängig; Grundlagen tragen Konzeption; Konzeption trägt Umsetzung | Gut strukturiert; nachvollziehbar | Struktur teilweise unklar; Brüche im Aufbau | Schwer nachvollziehbar; unlogisch | Keine erkennbare Struktur |
| Reflexion & Evaluation | 7,5 % | Ergebnisse kritisch reflektiert; Limitationen benannt; Zielerreichung nüchtern bewertet; Lessons Learned formuliert | Erkennbare Reflexion; Stärken und Schwächen benannt | Reflexion oberflächlich; kaum Auseinandersetzung mit Limitationen | Kaum Reflexion | Keine Reflexion |
| Sprache & Formalia | 5 % | Präzise Fachsprache; konsistente Formatierung; saubere Quellenarbeit; fehlerfrei | Sprachlich gut; wenige Fehler; Formalia eingehalten | Sprachliche Mängel; einige Formfehler | Erhebliche sprachliche Mängel; Formalia missachtet | Unverständlich; grobe Formfehler |
| Gesamteindruck | 5 % | Überzeugt in der Gesamtschau; Sorgfalt und Engagement durchgängig spürbar; gute Vorbereitung der Besprechungen | Solider Gesamteindruck | Durchschnittlich; einzelne Stärken, aber auch deutliche Schwächen | Unterdurchschnittlich | Insgesamt ungenügend |
Der gewichtete Durchschnitt ergibt die Basisnote.
Exzellenz-Kriterien für 1,0
Eine Aufwertung auf 1,0 ist nur möglich, wenn zusätzlich mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind:
- Hohe Komplexität bei gleichzeitig herausragender Qualität
- Außergewöhnliche Eigenständigkeit und Initiative
- Überdurchschnittliche konzeptionelle oder methodische Tiefe
- Ergebnisse mit Transferpotenzial oder Innovationscharakter
// Erläuterungen zu den Kriterien
Die folgenden Erläuterungen dienen als Beispiele zur Orientierung – sie sind weder abschließend noch als Checkliste zu verstehen.
Konzeption & Analyse – Beispiele für Methoden
- Analyse: Stakeholder-Analyse, Domänenmodellierung, Anforderungserhebung (Interviews, Beobachtung), Marktrecherche, Vergleich existierender Systeme
- Entwurf/Konzeption: Prototyping, Mockups, Architecture Decision Records (ADRs), Technologievergleiche, Proof of Concept
- Vorgehensmodelle: Scrum, Kanban, Design Thinking, iteratives Vorgehen
- Bewertung/Entscheidung: Nutzwertanalyse, gewichtete Kriterienmatrix für Technologieauswahl
Planung & Zielverfolgung – Beispiele
- Grobplanung: Phasierung (z. B. Recherche → Konzeption → Umsetzung → Test/Reflexion) mit Meilensteinen und Zeitfenstern
- Feinplanung: Kanban-Board (Trello, Jira, GitHub Projects o. ä.), Sprint-Planung oder priorisierte Task-Liste
- Zielverfolgung: Regelmäßiger Abgleich in den Statusmeetings; proaktives Anpassen bei Verzögerungen oder Scope-Änderungen
Umfang & Komplexität – Beispiele
- Entwicklungsprojekte: Anzahl Features/Komponenten, Tiefe der Architektur, Integration externer Systeme, Qualität der UX
- Empirische Arbeiten: Anzahl Befragter/Beobachtungen, Komplexität der Auswertung
- Konzeptionelle Arbeiten: Anzahl evaluierter Alternativen, Tiefe der Modellierung
Kenntnisse & Fähigkeiten – Beispiele
- Codequalität (Lesbarkeit, Struktur, Testabdeckung, Fehlerbehandlung)
- Korrekte Anwendung von Entwurfsmustern, Architekturprinzipien, Datenmodellierung
- Einarbeitung in neue Technologien oder Fachgebiete über das Bekannte hinaus
Reflexion & Evaluation – Beispiele
- Wurden die gesetzten Ziele erreicht? Wo nicht – warum?
- Was sind Stärken und Schwächen des Ergebnisses?
- Was würde man beim nächsten Mal anders machen?
- Welche offenen Punkte oder Anknüpfungsmöglichkeiten gibt es?
// KI-Einsatz
Der Einsatz von KI-Hilfsmitteln (z. B. ChatGPT, Copilot, Claude) ist erlaubt, sofern er transparent und ingenieurmäßig erfolgt:
- Die KI wird als Werkzeug systematisch und gründlich eingesetzt, ohne dass die Ownership über das Ergebnis abgegeben wird.
- Alle erzeugten Artefakte und Texte müssen von den Studierenden vollumfänglich vertreten werden können.
- Die Art der KI-Dokumentation ist zu Projektbeginn mit dem Betreuer abzustimmen.
Es gelten die KI-Richtlinien der TH Köln.
// Abgabe
- Dokumentation als PDF (ca. 15–20 Seiten)
- Alle übrigen Artefakte (Code, Konfiguration o. ä.) als Zip-Export, vorzugsweise als Git-Projekt mit vollständiger Commit-History
Hinweis: Das Praxisprojekt-Seminar (Präsentation) wird separat benotet und ist nicht Gegenstand dieser Bewertung.
Abgrenzung zur Bachelorarbeit: Der Anspruch an wissenschaftliche Fundierung (Literaturbasis, Forschungsmethodik) ist geringer als bei der BA. Im Vordergrund stehen Konzeption, praktische Umsetzung und Reflexion.